Dr.  Hans  Fuchs

Dr. Hans Fuchs mit
seiner Tochter bei
einer Nacktwanderung
um 1922
Dr. Hans Fuchs - Biographie, geschrieben von seiner Tochter Annemarie

Mein Vater, Dr. Hans Fuchs, ist im „Nebenberuf” Zahnarzt und im Hauptberuf Schriftsteller. Mehr Idealist als Materialist. In einer harmonischen Ehe ist ja aber niemals der Mann allein Urheber neuer Gedanken, sondern die Frau wird stets - bewußt oder unbewußt - den Mann beeinflussen, nach dieser oder jener Richtung, Zum Guten oder nicht. So war es auch hier die Frau, die bei einem Aufenthalt in Dresden den Herausgeber der Zeitschrift „Schönheit”, Richard Giesecke, kennenlernte und somit zum ersten Male mit dem Gedanken der Freikörperkultur in Berührung kam.
Davon begeistert kehrte sie heim und wurde die Idee in der Familie als Grundlage eines neuen Lebens aufgenommen. Mein Vatr hatte balld erkannt, daß es nicht eine vorübergehende Erscheinung sei, die im Stillen im Kreise der Familie betireben und ausgeübt werden solle, weil sie vielleichts von mancher Seite als heikle Angelegenheit betrachtet würde, mit der man Anstoß erregen könnte. Er kam zu der Überzeugung, daß dem Volke in weitetsten Maße gedient würde, wenn man die Gedanken der Freikörperkultur hinausträgt, um den Menschen einen neuen Weg zu einem sittlich besseren Leben zu zeigen.

So wollte Hans Fuchs auch in Darmstadt einen Kreis Gleichgesinnter bilden. Bald war es soweit, daß man im Dezember 1924 den „Orplid”, Bund für Geistes- und Körperkultur, gründen konnte. Geld für ein Gelände war natürlich nicht vorhanden, und so musste man sich damit begnügen, in entlegenen Steinbrüchen oder auf einsamen Waldlichtungen bei Spiel und Gymnastik nackt zu sein.

Um die Bewegung aber weiter verbreiten zu können, entschloß er sich im Jahre 1925 zur Herausgabe einer Zeitschrift für Körperkultur und Weltanschauung, genannt „Orplid, mein Land”. Aber bereits nach wenigen Nummern musste die Herausgabe unterbleiben, da es finanziell nicht durchführbar war. Um so besser wuchs aber der Bund und entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem recht bedeutsamen Zusammenschluß, der sich auch auf die Städte Frankfurt (Main), Mainz und Wiesbaden ausdehnte. Jedoch - wie leider in den meisten Fällen der Vereinstätigkeit - so kam es auch hier zu Meinungsverschiedenheiten.

      Bei den meisten Menschen ist es so:
      Wenn drei dasselbe Liedlein singen,
      ist es dem einen zu tief,
      dem anderen zu hoch,
      bei dem Dritten will's mit dem Takt nicht stimmen.
      Man macht viel Radau und schrecklich Geschrei;
      es laufen noch andere Leute herbei.
      Unter Zank und Streit werden Stunden versessen, -
      inzwischen ist das schöne Liedlein vergessen.

Aber immer wieder war es Hans Fuchs, welcher in möglichster Objektivität und vorurteilslos bestrebt war, die Freunde auf den Kernpunkt der gemeinsamen Arbeit aufmerksam zu machen. Durch Vorträge und Veranstaltungen mannigfaltigster Art hat er es verstanden, der Öffentlichkeit die ernsten Ziele dieser Bewegung zu zeigen.

Alsbald wurde Dr. Fuchs auf Grund seiner verdienstvollen Tätigkeit um die Verbreitung der Bewegung zum ersten Vorsitzenden des Reichsverbands für Freikörperkultur gewählt und fand so als gleichzeitiger Schriftleiter der Verbandszeitschrift „Leben und Sonne” Gelegenheit, seine Ideen niederzulegen und weiter zu verbreiten
Schied er auch im Verlaufe der Zeit dann aus der Leitung des Verbandes, so blieb er natürlich auch weiterhin für die Bewegung tätig und suchte nach neuen Möglichkeiten, sie nicht nur weiter zu verbreiten, sondern sie auch noch besser zu fundieren und zusammenzufassen.
So kam er zu dem Anstoß zur Gründung der europäischen Union für Freikörperkultur, und gelang es ihm unter vieler mühevoller Arbeit, die Verbände einer Anzahl von Ländern in dieser Union zu vereinigen und zu Pfingsten 1930 auf dem Frankfurter Gelände des „Orplid” in Dornholzhausen zur ersten Tagung zusammenzubringen.

Auf dem zweiten Kongreß im Jahre 1931 in Paris wurde Dr. Hans Fuchs dann endgültig zum Vorsitzenden deer Union gewählt, nachdem er bereits in Frankfurt mit der Führung beauftragt worden war. - Dadurch hat sich sein Arbeitsfeld natürlich noch mehr vergrößert, aber es ist ja sein einziges Streben, im Rahmen der Freikörperkultur-Bewegung zu kämpfen für eine Befreiung von falscher Scham, zur Natürlichkeit, für eine Gestaltung menschenwürdiger Verhältnisse durch Befreiung vom Kapitalismus und für die Schaffung einer Harmonie zwischen Mensch und Natur.
Annemarie Fuchs (geschrieben → 1932)

Familie Fuchs

Die ersten Arbeiten auf dem Darmstädter Gelände
Weitere Informationen:

Unter der Leitung von Dr. Hans Fuchs versammelten sich Mitglieder der Wandervogelbewegung und gründeten den „Bund für Geistes- und Körperkultur”. Der Verein florierte schnell, organisierte Ausflüge mit „Licht- und Luftbädern” und wurde offiziell im Dezember 1924 registriert.

ORPLID Darmstadt spielte eine wichtige Rolle in der internationalen Naturismus-Szene. Dr. Hans Fuchs gründete 1931 die Europäische Union der Freikörperkultur (EUFKA), Vorläufer der Internationalen Naturisten Föderation (INF).
1963 schlossen ORPLID Darmstadt und Heliosport Troyes eine Städtepartnerschaft.

 

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Quellen:
✱ Lachendes Leben 8/1932
✱ Leben und Sonne

Aktualisierungen:
29.12.2025 → Seite erstellt